Wulf Kraneis auf dem Contidrom

Mitgemacht in Hannover habe ich nur, weil es nicht viele Gelegenheiten gibt, den Milan optimal getrimmt unter Rennbedingungen zu fahren. Einen Schnitt von knapp 63 km/h zu fahren erschien mir unmöglich, erst recht unter den zu erwartenden Wetterbedingungen, aber mit einem praxistauglichen Dreirad einmal eine Marke über 3 und 6 Stunden zu setzen, erschien mir erstrebenswert. Meine Trainingsbemühungen hielten sich im Rahmen, ich saß aber immerhin 3x im Rad in der davorliegenden Woche.

Wulf Kraneis - Fahrerbericht

Als ich dann auf die Strecke geschoben wurde, um dem bereits gestarteten Christian langsam nachzueifern, wurde mir nach 2 Runden erst einmal klar, dass ich vergessen hatte, mir den Trinkschlauch zurechtzurücken. Der lag in der Eile des Gefechts hinten links drin und ich kam trotz verzweifelter Hangelversuche nicht dran. Fängt ja schön an, dachte ich mir, während ich aber gleichzeitig davon gepuscht wurde, den nicht in Sichtweite fahrenden zweiten Milan mit eigentlich zu hoher Geschwindigkeit (bis zu 66 km/h) langsam einzuholen.

In Runde 5 gelang es mir schließlich auch, den Schlauch zu hangeln, wobei ich mir beinahe einen Rückenkrampf einhandelte, aber damit war wenigstens gesichert, erst einmal gut versorgt weiterfahren zu können. In jeder Runde tat es einen ungeheuren Schlag aufgrund eines Absatzes auf der Strecke auf das Fahrzeug, der einem, falls man sich nicht darauf vorbereitete, einen ordentlichen Schlag auf die Wirbelsäule versetzte. Das zusammen mit den hüggeligen Kurven machte mir zu schaffen, weil es einfach Energie raubt, die man natürlich lieber in Geschwindigkeit umgesetzt sähe.

Ich fuhr dann in der ersten Stunde immer deutlich über 60 km/h, aber immer in der festen Überzeugung, dass die Geschwindigkeit schlecht zu halten sei über 6h, wobei ich Christian zum ersten Male vielleicht eine Dreiviertelstunde nach Beginn weit vor mir sah - also immerhin, ich fuhr schneller als er. Auf der anderen Seite war ich überrascht, dass der Milan heute wohl noch besser als auf dem Lausitzring lief und ich fasste den Vorsatz, über die ersten 3h den Schnitt schön über 60 km/h zu halten (was auch gelang). Ich kam Christian, weiter mit Geschwindigkeiten über 60 km/h, immer näher und näher, war dann aber etwas enttäuscht, dass er just in dem Augenblick, wo ich ihn einholte, abbog um aufzuhören. Zu zweit ist eh schon wenig, alleine ist es halt noch schwieriger…..

Ein Klettstreifen im Helm biss mir ständig in den Kopf und die Rüttelei ging mir auf den Wecker und so ging es dann bis Stunde 3 und dann war die Luft etwas heraus, außerdem schmerzten mir mittlerweile auch die Fußballen kräftig, so dass erst mal die Beine wechselseitig aus den Pedalen genommen wurden, damit wieder die Durchblutung in Gang kommen konnte und die Nervenenden nicht allzusehr leiden. Das funktionierte auch recht gut, einseitig hin und wieder für ca. 30 Sekunden pedalieren, während das eine Bein einfach nur ruht, bewirkt da Wunder gegen die Schmerzen, bzw. eliminiert diese vollständig, zumindestens für die nächste halbe Stunde…  Jedenfalls ging mir die Rüttelei zusammen mit den anderen Wehwehchen ziemlich auf den Geist und bei Stunde 4 war ich kurz vor dem Aufhören – zuviele unangenehme Widrigkeiten. Auf der anderen Seite kann man sich natürlich dann auch vorhalten, dass es ja „nur noch“ 2 weitere Stunden sind….und das erschien mir dann auch wieder nicht allzu furchtbar. Also stoisch weitertreten – Geschwindigkeiten lagen allerdings langsam im unteren oder mittleren 50er Bereich. Ein bischen Wettbewerb würde dann schon die Motivation etwas besser hochhalten oder wenigstens ein sich bewegender oder ähnlich schneller „Fixpunkt“ auf der Strecke – war aber nicht…. Allzu dachte ich mir, das Rennen ohne allzugroße Mühen zu Ende zu bringen, was ich dann auch tat, wobei ich in der letzten halben Stunde spürte, dass es doch noch einmal ein wenig flotter ging und die „6“ hin und wieder doch noch auf dem Tacho in der ersten Stelle auftauchte.

Fazit: Ich war überrascht, dass der Milan auch bei ca. 16 C° und nicht optimaler Fahrbahn mit über 60 km/h über 3 h bewegt werden kann, wobei ich dabei gerne Jens B. auch noch einmal Dank ausspreche, dass er mir sein Fahrzeug so gut präpariert hat. Im Nachhinein kann ich mir auch vorstellen, bei langsameren Startrunden die Durchschnittsgeschwindigkeit auf 60 km/h (bei warmem Wetter) über 6h zu halten. Das ist zwar immer noch kein HPV-Rekord nach den jetzigen Kriterien, aber für ein Dreirad doch schon recht flott.



Wulf Kraneis - Fahrerbericht